„Vegan“ ist der neue Star am Beauty-Himmel. Es klingt sauber, bewusst, modern.
Aber wenn es um Haarprodukte geht, gilt: „Vegan“ bedeutet längst nicht das, was du denkst.
Wir klären auf – über Labels, Lücken und Marketing-Bullshit.
Weil du ein Recht hast zu wissen, was du dir da eigentlich auf den Kopf schmierst.
Was „vegan“ eigentlich sagen will
Wenn du auf einem Shampoo oder Conditioner „vegan“ liest, klingt das erstmal gut:
Keine tierischen Inhaltsstoffe.
Das bedeutet meistens:
- Kein Keratin (oft aus Tierhörnern oder -hufen)
- Keine Seidenproteine
- Kein Kollagen
- Kein Bienenwachs
- Kein Lanolin
- Kein Honig
- Keine Milchproteine (ja, auch das gibt’s im Haarcare-Game)
Klingt super. Aber jetzt kommt’s.
Das Problem? Es ist nicht geschützt
Und genau hier liegt der Haken: „Vegan“ ist kein geschützter Begriff in der Kosmetik.
Nicht in der Schweiz, nicht in der EU, nicht in den USA.
Heisst konkret:
- Jede Marke kann „vegan“ aufs Etikett klatschen, ohne was nachweisen zu müssen.
- Keine Standards. Keine Pflicht zur Kontrolle. Niemand prüft das, außer die Marke macht das freiwillig.
Du kannst also ein angeblich veganes Produkt kaufen, das trotzdem
– versteckte tierische Stoffe enthält
– voller Chemie ist
– oder sogar an Tieren getestet wurde
Vegan ≠ Clean oder gut für dein Haar
Ein riesiger Irrtum:
Nur weil ein Produkt vegan ist, heisst das noch lange nicht, dass es mild, natürlich oder gut für dein Haar ist.
Vegane Produkte können trotzdem voll sein mit:
- Billigen Silikonen
- Austrocknenden Alkoholen
- Überdosierten Pflanzenproteinen
- Synthetischen Duftstoffen
- Chemie, die sich gut anfühlt, aber nix bewirkt
Du kaufst ein Versprechen – aber keine echte Pflege.
Grausamkeitsfrei? Leider nicht automatisch.
Viele werfen „vegan“ und „tierversuchsfrei“ in einen Topf – aber Achtung:
- Ein Produkt kann vegan sein und trotzdem an Tieren getestet werden (z. B. wenn es in China verkauft wird).
- Auch „cruelty-free“ ist kein geschützter Begriff – es sei denn, das Produkt ist zertifiziert.
Kurz gesagt: Vegan heisst nicht automatisch ethisch.
Es ist oft eher ein Lifestyle-Marketing als eine Haltung.
Worauf du stattdessen achten solltest
Wenn du wirklich ethische Produkte willst, dann schau auf anerkannte Zertifizierungen, nicht nur auf das Wort „vegan“:
- The Vegan Society
- Certified Vegan (Vegan Action)
- PETA – „Cruelty-Free and Vegan“
- Leaping Bunny
Diese Labels bedeuten: Da wurde geprüft, nicht nur versprochen.
Und was sollst du jetzt glauben?
Nicht dem Label. Sondern der Formulierung.
Frag dich: Was braucht mein Haar wirklich? Was tut es ihm gut? Ist das hier Pflege oder nur Marketing?
Haar ist kein Lifestyle. Es ist Faser.
Es braucht kein Lebenskonzept – sondern Pflege, die Sinn ergibt.
Zum Schluss
Das Wort vegan im Beauty-Bereich sagt oft weniger über deine Überzeugung – und mehr über dein Portemonnaie.
Es ist ein Verkaufsargument, kein Qualitätsversprechen.
Also: Wenn du das nächste Mal durch die Regale scrollst oder dich durch Influencer-Hauls klickst –
lass „vegan“ nicht für dich denken.
Stell Fragen. Lies Inhaltsstoffe. Verstehe den Unterschied.
Denn gesunde Haare sind kein Trend. Sie sind Wissenschaft.